BAHNane: Zwei kleine Geschichten

BAHNane: Zwei kleine Geschichten aus dem Bahnalltag. Weitere absurde Erlebnisse mit der Deutschen Bahn. Zum Lachen und KopfschĂŒtteln.

Es ist schon lĂ€nger her, dass ich einen Beitrag ĂŒber die Deutsche Bahn veröffentlicht habe. Das liegt sicher nicht daran, dass die Bahn besser geworden ist. Ich habe mich einfach an die ZustĂ€nde gewöhnt und damit abgefunden. DafĂŒr kann ich ĂŒber die Überraschung der Gelegenheitsfahrer schmunzeln, welche nervös zu ihren zu eng geplanten AnschlĂŒsse schauen. Auch wenn ich inzwischen weniger ĂŒberrascht und verĂ€rgert bin, so gab es die letzten Monate doch zwei Geschichten, die ich hier erzĂ€hlen möchte.

Der Zug steht doch da?

Warum er trotzdem nicht fÀhrt

Inzwischen checke ich zuerst am Smartphone, wie viel verspÀtet mein Zug ist, bevor ich aufstehe. Immerhin bekomme ich so oft nochmal ein paar Minuten zusÀtzlichen Schlaf. ZuverlÀssig ist die Anzeige zwar nicht, aber man lernt die Zeichen zu lesen.

Anders vor wenigen Wochen. Der Zug war fast pĂŒnktlich unterwegs und ich bin wie geplant an den Bahnhof. Zu meiner Freude stand der Zug auch schon am Gleis. In Frankfurt hat er normalerweise knapp 25 Minuten Aufenthalt. Also ab in den Zug und es mir gemĂŒtlich gemacht. Zehn Minuten nach Abfahrtszeit standen wir noch immer da. Durch das Fenster konnte ich eine Zugbegleiterin sehen, die auf einer Bank am Bahnsteig saß. Perfekte Situation fĂŒr einen Raucher. Ich bin raus und habe gefragt, ob es noch fĂŒr eine Zigarette reicht. KopfschĂŒttelnd lachte sie und meinte "Eine? Zehn mindestens!". Warum? Beim Zug aus Amsterdam wird in Frankfurt die Lok gewechselt. Die Lok der Niederlande wird vorne abgekoppelt und am anderen Ende wird eine Lok der Deutschen Bahn angekoppelt. Wenn es denn eine Lok gĂ€be. Das war in dieser Nacht nicht der Fall, es konnte einfach keine Lok gefunden werden, welche unseren Zug weiterziehen konnte.

Fast 60 Minuten dauerte es, bis die Deutsche Bahn eine Lok auftreiben und ankoppeln konnte. Am Huaptbahnhof in Frankfurt am Main, einem der grĂ¶ĂŸten Bahnknoten Deutschlands. Nachts um 03:00 Uhr. Keine Ahnung, wo die Loks alle waren, vermutlich am schlafen. Auch die Zugbegleiterin war sichtlich verĂ€rgert und beschĂ€mt.

Kunden schlauer als Leitstelle

Optimismus statt Realismus

Wie oben geschrieben wird in Frankfurt die eine Lok abgekoppelt und eine andere Lok am anderen Ende angekoppelt. Immerhin muss hier nicht rangiert werden, trotzdem sind es zwei Schritte, der Zug recht lange und das Personal rar. Alleine zwei bis drei Minuten dauert es, bis man vom Anfang des Zuges ans Ende gelaufen ist. Was das Personal machen muss, um an beiden Seiten zu koppeln. In Summe sind zehn Minuten fĂŒr den ganzen Vorgang schnell, meist dauert es eher fĂŒnfzehn Minuten. Vollkommen okay, verstehe ich und ist mit 25 Minuten Aufenthalt auch eingeplant. Eigentlich.

Wenn der Zug VerspĂ€tung hat, dann muss die Leitstelle den Fahrplan anpassen. Mein Halt dient hier auch als Puffer, da man 30 Minuten Standzeit einplant, aber schneller wieder los kann. Ist die VerspĂ€tung grĂ¶ĂŸer, dann ist der Zug auf der Folgestrecke auch verspĂ€tet. So weit, so gut. Wenn die Leitstelle in dieser Situation nicht so optimistisch wĂ€re. Nach Aufbrauchen des Puffers scheint diese der Meinung zu sein, dass das Koppeln schneller geht. FĂŒnf Minuten reichen dafĂŒr locker aus, zumindest laut angepasstem Fahrplan.

Vorletzte Woche habe ich einen Zugbegleiter darauf angesprochen. Dieser lachte nur und meinte zu seinem Kollegen, dass die Kunden die Bahn inzwischen besser kennen, als die Leitstelle. Zu mir dann noch: "NatĂŒrlich fahren wir nicht nach Plan ab, fĂŒnf Minuten sind keinesfalls machbar. Kapiert die Leitstelle nur nicht und wundert sich dann, dass sie nach Abfahrt wieder alle PlĂ€ne anpassen mĂŒssen." Überraschung, das Koppeln hat fast 20 Minuten gedauert, wir sind also 15 Minuten spĂ€ter los als der angepasste Plan vorgesehen hatte. Viel Spaß beim Umplanen.

Was soll man sagen, die Bahn enttĂ€uscht nicht, wenn es darum geht gute Geschichten zu liefern. Mir wĂ€re es lieber, wenn ich hier nur positiv oder gar nicht ĂŒber die Bahn schreiben mĂŒsste. Aber gut, gemĂŒtlicher als Autofahren ist es. Wobei ich letzte Woche mit dem Auto gefahren bin und gemĂŒtlich Hörbuch hören konnte. Nur Arbeiten ist im Auto halt nicht.