Vor einigen Monaten wurde mir klar, dass Geforce Now fĂŒr mich nicht funktioniert. Wenn du die GrĂŒnde wissen willst, dann habe ich diese ausfĂŒhrlicher im Beitrag "[Das ASUS ROG Xbox Ally X statt GeForce Now]({{< ref "20250901_asus-rog-ally-x-instead-of-geforce-now.md" >}})" beschrieben. Vor drei Monaten war ich mir noch nicht sicher, welches GerĂ€t ich genau wĂ€hle. Ich konnte aber zu einem relativ guten Preis das ASUS ROG Xbox Ally X kaufen und hatte inzwischen einige Zeit, das GerĂ€t zu testen.
Hardware & Verarbeitung
Fangen wir mit den technischen Daten an:
- Typ: Handheld Gaming PC
- Display: 7 Zoll IPS 144Hz FullHD (1920x1080 Pixel) Display mit VRR (Variable Refresh Rate)
- Prozessor: AMD Ryzenâą AI Z2 Extrem
- Arbeitsspeicher: 24GB LPDDR5X (fest verlötet)
- Festplatte: 1TB PCIe 4.0 SSD (M.2 2280, austauschbar)
- Bluetooth 5.2, WiFi 6E
- Betriebssystem: Windows 11 mit FSE (Full Screen Experience)
Die technischen Daten sind am Ende aber gar nicht so aussagekrĂ€ftig. Der Prozessor ist speziell fĂŒr den Einsatz in Handhelds entwickelt und schwer mit denen von Desktop Computern oder Notebooks vergleichbar. Klar ist, dass dieser mehr Leistung hat als seine VorgĂ€nger. Dabei ist er aber eher eine Evolution und keine Revolution. Den Arbeitsspeicher muss sich das System mit dem Grafikprozessor teilen. Da wirken die 24 GB gar nicht mehr so groĂ, fĂŒr FullHD aber locker ausreichend. Schön finde ich, dass sich die SSD austauschen lĂ€sst. Ich habe das nicht gemacht und auch nicht vor, aber manchen dĂŒrfte 1TB zu wenig sein. Der fĂŒr mich spannendste Punkt war aber das angepasste Windows 11, welches mit der Full Screen Experience (FSE) endlich eine OberflĂ€che optimiert fĂŒr Handhelds liefern soll.
Die Bedienung des GerĂ€ts ist fĂŒr mich dabei ausgezeichnet. Ich habe Beschwerden zu den ABXY-Tasten gelesen, dass diese zu laut sind. Ich finde sie knackig und denke, dass sie mit der Zeit etwas leiser bzw. ausgeleierter werden. Alle anderen Tasten und Sticks funktionieren bei mir aber einwandfrei. Ein Manko bei der Verarbeitung gibt es aber. Beim rechten Griff sitzt das GehĂ€use nicht perfekt, es gibt einen minimalen Spalt. Da man den Griff fest in der Hand hat, bewegen sich die GehĂ€useteile und es knarzt ganz leicht. Bei dem Preis sollte das eigentlich nicht sein. Aber es schrĂ€nkt weder die Funktion noch die Ergonomie ein.
Einen letzten Punkt habe ich aber noch: Das GerĂ€t ist zwar perfekt ausbalanciert und kippt in keine Richtung, doch das Display ist angewinkelt. Wenn man das GerĂ€t auf die RĂŒckseite legt, dann ist das Display leicht nach hinten gekippt. Wenn ich das GerĂ€t in den HĂ€nden hatte war das eigentlich ganz gut. Es verwirrt mich aber bis heute, da man von der Nintendo Switch und anderen mobilen Konsolen ein ebenes Display gewohnt ist. Hier muss ich mich einfach noch umgewöhnen.
Software: Windows 11 mit FSE
Die FSE ist der erste Wurf von Microsoft, eine OberflĂ€che fĂŒr Handhelds zu optimieren. Beim Start des GerĂ€tes wird anstatt des bekannten Desktops eine touch und controllerfreundliche OberflĂ€che geladen. Damit fallen auch alle Systemdienste weg, welche fĂŒr den Desktop benötigt werden. Das soll Ressourcen fĂŒr den eigentlichen Einsatz, das Gaming, freigeben. BegrĂŒĂt wird man von einer Startseite, welche die letzten Spiele anzeigt, gefolgt von allerlei Kacheln die hauptsĂ€chlich den Xbox Game Pass oder kaufbare Spiele im Xbox Store bewerben. Diese Seite ist fĂŒr mich also absolut uninteressant. Ich habe alle meine Spiele auf Steam und plane auch nicht, kĂŒnftig den Game Pass zu abonnieren oder Spiele bei Microsoft zu kaufen.
Aber das MenĂŒ an der linken Seite lĂ€sst mich auf eine Bibliothek zugreifen. Diese zeigt alle installierten Spiele an, auch von Steam und Co. Zumindest, nachdem man die Launcher und darin die Spiele installiert hat. Unschön ist aber, dass dabei die Desktop Icons und keine Cover verwendet werden. Um das zu Ă€ndern muss man das SteamGridDB Addon installieren. Das Addon erlaubt es, die Icons, Banner und Cover auszutauschen und bietet dazu bereits Optionen an.
Nervig ist, dass ich jedes Mal beim Beenden eines Spiels oder beim Druck auf die Xbox-Taste nicht in der Bibliothek, sondern auf der Startseite lande.
Wenn wir bei nervig sind, dann muss man auch das Aktualisieren des Systems erwĂ€hnen. Updates gibt es ĂŒber FSE, ASUS ArmoryCrate, den Windows Store und Windows Update. Und natĂŒrlich Steam, wenn man das nutzt. Ich glaube, mehr verteilen kann man die Updates auch nicht. Es gibt auch keine Benachrichtigung fĂŒr neue Updates, man muss die Programme einzeln abklappern und nachschauen. Hier mĂŒssen Microsoft und ASUS auf jeden Fall noch nachbessern.
Schön hingegen finde ich die Gamebar. Mit einem Knopfdruck öffnet sich eine Leiste, in welcher die wichtigsten Einstellungen erledigt werden können. Die Gamebar bietet aber auch weitere Tools, beispielsweise fĂŒr Screenshots, Videoaufnahmen oder KI Hilfe in Spielen. Letztere habe ich nur kurz getestet. Die Hilfe funktioniert, ist aber generisch. Trotz Zugriff auf das Spiel wurde mir keine Hilfe fĂŒr genau diesen Moment geliefert, sondern allgemeine Tipps zum Spiel.
Was mich wirklich gestört hat ist der Standby. Eigentlich soll man jederzeit einfach kurz auf den Powerbutton drĂŒcken können und das GerĂ€t geht in den Ruhezustand. Ein weiteres BetĂ€tigen des Powerbuttons soll das GerĂ€t nach wenigen Sekunden aufwecken und man dort weitermachen können, wo man aufgehört hat. Ich schreibe absichtlich "soll". Oft funktioniert das ganz gut, aber oft eben auch nicht. Mal geht zwar das Display aus, das GerĂ€t aber nicht in den Standby und verbraucht weiter Strom. Manchmal lĂ€sst es sich nicht richtig aufwecken und man drĂŒckt mehrfach verzweifelt auf den Powerbutton, bis das GerĂ€t anspringt. Oder es springt nicht mehr an und man muss es hart neu starten. Also immer Speichern vor dem Standby.
Der gröĂte Vorteil von Windows ist aber, dass man sich erstmal keine Gedanken machen muss, ob ein Spiel lĂ€uft. Alle laufen unter Windows. Trotzdem: Alles in allem ist das System noch nicht ausgereift und fĂŒr Spieler, welche ausschlieĂlich auf Steam setzen unpraktisch. Mit etwas Bastelei kann man das System aber dazu bringen, statt Microsofts FSE auf Steams Handheld OberflĂ€che zu wechseln. Leider war das bei mir nicht ganz so flĂŒssig und das Problem mit den Updates besteht weiter.
Software: SteamOS als Alternative
Auf meinem Desktop Computer nutze ich Arch Linux, beruflich MacOS. Ich habe dementsprechend keinen Bezug zu Windows. Was liegt da nĂ€her, als eine Linux-basierte Alternative auszutesten? Erst hatte ich an Bazzite gedacht. Das ist offiziell auf das Xbox Ally X portiert worden und sollte problemlos funktionieren. Letztendlich habe ich mich aber fĂŒr SteamOS entschieden. Mit der Beta Version 3.8 hat Valve den Support fĂŒr den Handheld hinzugefĂŒgt und ich konnte SteamOS problemlos installieren und sogar auf 3.9 Beta updaten.
Unter SteamOS lĂ€uft auch der Standby ganz anders. Er funktioniert genau so, wie man das erwartet. Ein DrĂŒcken auf den Powerbutton und das GerĂ€t geht in den Energiesparmodus. Ein weiteres DrĂŒcken und innerhalb von drei Sekunden ist man wieder an der Stelle, an der man aufgehört hat. Anfangs muss man SteamOS noch etwas konfigurieren, damit alle Funktionen und Tasten gehen. Dann lĂ€uft es absolut flĂŒssig und zuverlĂ€ssig. Was nicht geht sind BIOS Updates und die Steuerung der RGB Beleuchtung der Sticks. Diese hatte ich schon unter Windows deaktiviert, weil sie mich gestört hat. Kein Nachteil also fĂŒr mich. BIOS Updates schon eher. Dazu habe ich einen Windows-to-go Stick eingerichtet und starte einmal im Monat Windows, damit ArmoryCrate das BIOS aktualisieren kann. Nicht optimal, aber verschmerzbar. Was mir mit Linux verwehrt bleiben wird sind die angekĂŒndigten KI Funktionen, beispielsweise das AI Upscaling. Bisher brauche ich das aber nicht.
Manche Spiele gehen unter Linux nicht, manche schlechter, manche besser. Aber die Leistung ist weitestgehend Àhnlich zu Windows.
Gaming-Erfahrung & Performance
Das Gaming selbst ist weitestgehend unabhĂ€ngig vom gewĂ€hlten Betriebssystem. Bei der Performance kommt es extrem auf das Spiel an. Klar, die neusten AAA Spiele kann man nicht mit maximalen Details auf 1080p mit 144 FPS spielen. Man muss sich oft bei den Einstellungen rantasten und sich entscheiden, ob man unbedingt 1080p will, oder auch mit etwas weniger leben kann - zu Gunsten zusĂ€tzlicher Frames. Cyberpunk 2077 spiele ich in 1080p mit der Steam Deck Voreinstellung und liege irgendwo zwischen 35-45 FPS. Weniger als 60 FPS hat mich als PC Gamer doch erstmal erschreckt. Umso erstaunter war ich, dass sich das Ganze recht flĂŒssig anfĂŒhlt. VRR dĂŒrfte hier massiv helfen und fĂŒr ein stimmiges SpielgefĂŒhl sorgen.
Bei Dune: Awakening, an meinem PC komme ich wegen meiner alten CPU gerade so auf 40 FPS, schafft das XAX erstaunliche 50-60 FPS, mit FSR3 Frame Generierung auch 70-80 FPS. Klar, auch hier auf den niedrigsten Einstellungen. Tony Hawks 1+2 erreicht auf mittleren bis hohen Einstellungen 60 FPS und mehr, Need for Speed Unbound auch. Hier kann man mit den Einstellungen sogar noch etwas runter gehen und dann die Leistungsaufnahme des GerĂ€ts reduzieren. Damit verlĂ€ngert sich die Akkulaufzeit spĂŒrbar. Ein Extremfall ist hier Hades bei mir, welches mit vollen Einstellungen auf 7 Watt problemlos 60 FPS erreicht. Selbst mit 4 Watt sind dauerhaft ĂŒber 30 FPS möglich. Und damit eine Akkulaufzeit von ĂŒber 7 Stunden.
Bei Cyberpunk 2077 mĂŒssen es aber schon 25 Watt sein, um ĂŒber 30 FPS in FullHD zu kommen. Der 35 Watt Modus bringt nur wenige FPS mehr und erhöht eher die 1% Lows. Bei manchen Spielen, wie The Witcher 3, merkt man auch, dass sie fĂŒr gröĂere Bildschirme gemacht sind. Die Schrift ist recht klein, aber fĂŒr mich noch lesbar.
Fazit
Das ASUS ROG Xbox Ally X ist ein GaminggerĂ€t durch und durch, das merkt man. Und das macht es auch gut. Die Ergonomie ist hervorragend und einer Nintendo Switch um LĂ€ngen ĂŒberlegen, die Leistung fĂŒr diese GröĂe beeindruckend und das Display gefĂ€llt mir auch sehr gut. Schön finde ich, dass man bei der Software flexibel ist und auch ein Linux seiner Wahl installieren kann.
Klar, kompetitive Shooter wĂŒrde ich auf dem XAX nicht spielen. Aber gerade um die Singleplayer Spiele von meinem Pile of Shame zu spielen ist das GerĂ€t super. Schnell eingepackt, schnell ausgepackt und jederzeit bereit. Keine Suche nach einem extra Controller, keine Suche nach einer FlĂ€che fĂŒr die Maus, keine Suche nach Internet fĂŒr das Streaming. Einfach einschalten und loszocken.
FĂŒr eine UVP von 899 Euro sicher ein teurer Luxus. FĂŒr das gleiche Geld bekomme ich stĂ€rkere Gamingnotebooks oder kann vier Jahre Geforce Now bezahlen. Aber das Gaming ist dann eben nicht so einfach und komfortabel, wie mit dem XAX. FĂŒr mich hat sich die Investition gelohnt.