Asus ROG Ally - gut gedacht, schlecht gemacht

Asus ROG Ally - gut gedacht, aber schlecht gemacht. Warum das vielversprechende Handheld enttÀuscht. Eine kritische Betrachtung der Probleme und verpassten Chancen.

Mein BĂŒro und meine zu Hause liegen 400 km voneinander entfernt. Dementsprechend bin ich entweder lange unterwegs oder mehrere Tage nicht zu Hause. Cool wĂ€re es natĂŒrlich, wenn ich dann trotzdem wie gewohnt zocken könnte. Ich habe zwar eine Nintendo Switch, aber meine Hauptspiele laufen nicht auf dieser.

Eine Alternative wĂ€re ein Gaming Notebook. Diese sind aber teuer und schwer. Ich habe mein Arbeitsnotebook schon bei mir, ein zweites wĂŒrde mich da nur nerven. Dann gibt es noch das Steam Deck von Valve. Verarbeitung super, Preis im Sale okay. Nur setzt es komplett auf Linux und ist relativ schwach. Damit fallen viele Spiele einfach weg oder sind sehr langsam.

Aber das Steam Deck hat wenigstens aufgezeigt, dass ein Markt fĂŒr Handhelds mit PC Hardware besteht. Asus hat das erkannt und ein eigenes Handheld zusammengebaut. Dabei haben sie versucht das Steam Deck zu verbessern und sind klĂ€glich gescheitert. Die doppelte Leistung ist super und ein Fortschritt, aber stark zu Lasten der Akkulaufzeit. Windows statt Linux erlaubt mehr Spiele, aber die OberflĂ€che ist ein reines Flickwerk. Gaming in den Vordergrund stellen ist gut, aber das GehĂ€use eine Zumutung.

Aber von Vorne: Das ROG Ally lĂ€uft mit einer höheren Auflösung und einem doppelt so starken SoC im Vergleich zum Steam Deck. Damit kann man theoretisch eine bessere BildqualitĂ€t oder mehr FPS erreichen. Nach einigen Treiberupdates scheint das inzwischen auch gut zu funktionieren. Aber mehr FPS oder mehr Pixel erfordern auch mehr Energie. Bei gleicher Grösse bekommt Asus auch kaum mehr Akku in das GehĂ€use als Valve, so dass die Akkulaufzeit deutlich geringer ausfĂ€llt. FĂŒr mich verkraftbar, im Zug gibt es meist eine Steckdose in der NĂ€he. Hauptsache ich kann das GerĂ€t bequem halten und bedienen.

Ah, bedienen. Windows 11 ist installiert und bietet quasi gar keine Option fĂŒr kleine Touchscreens von Handhelds. Asus eigene Software, die das Problem lösen soll, macht dies aber leider auch nicht gut. Ich hatte das ROG Ally im Media Markt in der Hand und muss sagen, die Asus Software ist Schrott, ich wĂŒrde bei Steam Big-Picture landen. Noch schlimmer aber das GehĂ€use. Extrem auf Gaming getrimmt geht die Form fĂŒr mich noch. Die rĂŒckseitigen Tasten sind nicht optimal, aber okay. Nur welcher Produktentwickler kam auf die Idee, ein kantiges Design mit rauem Kunststoff und weisser Farbe zu kombinieren. Das VorfĂŒhrgerĂ€t im Media Markt habe ich schnell wieder weggelegt und meine HĂ€nde desinfiziert. Überall waren darauf braune Flecken, Abrieb von den HĂ€nden vieler Leute. Und dank der OberflĂ€che vermutlich extrem schwer zu putzen. Und natĂŒrlich viele RGB Effekte. Das GerĂ€t fĂŒhlte sich wie ein billiger Plastikbomber an, wie ein Souvenier vom StrassenhĂ€ndler in Italien.

Damit war das GerĂ€t bei mir eigentlich schon unten durch. Trotzdem kennt man es, man denkt darĂŒber nach und zweifelt. Am Ende wurde mir die Entscheidung dann aber leicht gemacht: Asus hat nicht bedacht, dass SD Karten und SD Leser hitzeempfindlich sind und direkt am SD Slot die LĂŒftung platziert. Top Idee 95°C warme Luft direkt auf den SD Slot zu pusten. Das war Sarkasmus. Kurz nach Release wurde klar, das zerstört SD Karten und teilweise den kompletten Slot. Da baulich bedingt, gibt es hier auch keine gute Lösung. Asus hat die LĂŒftergeschwindigkeit angehoben, damit die Luft kĂŒhler ist. DafĂŒr ist das GerĂ€t nun lauter und verbraucht mehr Strom. Ein Fehler in der Hardware, welcher mit Software verbessert aber nicht gelöst werden kann.

Schade fĂŒr mich, so kann ich aktuell kein Destiny 2 spielen, wenn ich nicht zu Hause bin. Das Steam Deck ist zwar gut, aber etwas zu schwach und nur auf Linux optimiert. Eventuell kommt zeitnah ein Steam Deck 2 - das wĂ€re dann eventuell eine Option. Aber das Asus ROG Ally ist leider ein Reinfall, der so nie auf den Markt hĂ€tte kommen dĂŒrfen.